"Aus einem argen Traum aufgewacht
Sitz ich im Bett und starre in die Nacht.
Mir graut vor meiner eignen Seele tief,
Die solche Bilder aus dem Dunkel rief.
Die Sünden, die ich da im Traum getan,
Sind sie mein eigen Werk? Sind sie nur Wahn?
Ach, was der schlimme Traum mir offenbart,
Ist bitter wahr, ist meine eigne Art.
Aus einem unbestochenen Richters Mund
Ward mir ein Flecken meines Wesens kund.
Zum Fenster atmet kühl die Nacht herein
Und schimmert nebelhaft im grauen Schein.
o süßer, lichter Tag, komm du heran
Und heile, was die Nacht mir angetan!
Durchleuchte mich mit deiner Sonne, Tag,
Dass wieder ich vor dir bestehen mag!
Und mache mich, ob´s auch in Schmerzen sei,
Vom Grauen dieser bösen Stunde frei!"
[Hermann Hesse - Traum]
Nacht um Nacht liegst du wach. Wirfst dich hin und her. Drehst dich um dich selbst. Wie die Gedankenschraube, die sich quälend in deinen Kopf bohrt. Keine Position ist die Richtige, keine entspannt deine müden Knochen. Dein Körper schreit nach Schlaf, Schlaf den er so dringend braucht.
Müden Auges starrst du an die Decke über dir. Starrst ins Leere, fokussierst das Nichts.
Ein Nichts, von der selben Natur, wie jenes in deinem Kopf.
Schwarz, undurchdring- und unentrinnbar.
Nacht um Nacht dieselbe, quälende Stille. Jenes tonlose Pochen, welches sich stufenweise zu einem dröhnenden Orkan entwickelt. Verzweifelt lauschst du jedem Geräusch von Leben. Frauen, deren hohe Schuhe auf dem Apshalt erklingen, eilenden Schrittes, gerade noch da und dann wieder nur noch ein Echo. Der aufheulende Motor eines vorbeifahrenden Autos. Seine Scheinwerfer und das Licht, dass sie in dein dunkles Zimmer werfen. Es macht einen Bogen um dich, bis es samt Auto wieder von der Nacht verschluckt wird. Du bleibst da.
Nacht um Nacht dieselben Bilder. Fetzen deiner Vergangenheit. All die Fehler und all die Tränen. All das Glück und all die Liebe. Fremde, Freunde, Liebende, Getrennte, Bekannte und schließlich wieder Fremde. Zyklus des Lebens. Zyklus der Vergänglichkeit.
Niemals hast du das gewollt, niemals hättest du es soweit kommen lassen.
Niemals wolltest du so enden und niemals die gleichen Fehler machen.
Niemals ist Heute und Niemals wird auch morgen noch sein.
Nacht um Nacht dieselben Fragen. Wer weiß die Antwort? Wenn es sie gibt, wo finde ich sie?
War es richtig oder falsch und wer bestimmt was richtig ist und was falsch? Warum ich und warum nicht du?
Zweifel an den Dingen die bei Tageslicht vor Wahrheit glänzen und Zweifel an Dingen, die ohne Zweifel richtig sind. Oder nicht?
Stunde um Stunde vergeht. Minute um Minute. Du zählst die Sekunden.
Bis endlich die Sonne aufgeht und Licht bringt. Licht in dein dunkles Zimmer. Licht in deine dunkle Gedanken. Licht in dein müdes Herz.
Jede Nacht, sei sie noch so lang und quälend, seist du noch so kaputt und am Ende, jede Nacht geht mal zu Ende. Du bist sicher, der Tag hat die Dämonen vertrieben.
Auch wenn sie sich nur verstecken.