Montag, 17. Dezember 2012

(e)motion, part II


...Und wir bleiben einfach stehen. Mittendrin, im Chaos. Mittendrin im Leben und doch nur halb lebendig. 
Inmitten von Dreck, Lärm und Hektik. Zeitlos schön, stehen wir einfach nur da.
Halt mich, drück mich ganz fest an dich.
Manchmal ist zuviel ein viel zu viel.
Und manchmal ist viel einfach nur zuviel.

Schließ die Augen, einen kurzen Moment. Hör uns zu, hör nicht auf
zu atmen.
Entspann deine müden Knochen, locker die geballte Faust. 
Stillstehen im Auge des Tornados.
Einen Moment nur oder vielleicht auch zwei,
im Zentrum des Geschehens.

Hör hinein, auf und in dich.
Lass sie los, all die fremden Stimmen,
hör genau hin und höre dich.
Lass sie verstummen und erhebe deine Stimme.
Sei lauter als der Orkan um dich herum.
Sei laut, tief in dir.

Dein Herz schlägt,
nicht im Takt der Zeit.
Lass es musizieren,
lass es spielen,
Melodien deiner Selbst.

Wie seltsam fremd, dieser eine Moment.
Müdigkeit überkommt und lähmt dich. 
Wann hast du das letzte Mal geschlafen, nicht weil es Nacht war?
Gegessen, nicht weil Mittagszeit war?
Geatmet, nicht der Gewohnheit wegen?

...Und wir stehen immer noch hier. Umgeben von Angst, Wut und Hass.
Hören hin und hören auf, mitzuspielen.
in ihrer Tragikomödie des stumpfen Alltags.
Hören auf ein Leben zu leben, in dem es bloß ums Überleben geht.





Donnerstag, 6. Dezember 2012

motion.


Halt still. Halt inne. Halt dich fest.
Woran? An wem? 

Ständig und immerzu in Bewegung. So wie die Erde drehen sich auch ihre Bewohner im immer wieder kehrenden Rythmus der Zeit. Die ganze Welt tanzt einen niemals endenden Tanz.
Bewegt sich, steht nicht, eilt vorraus, pausenlos.

Halt! Bleibt stehen, lasst mich aussteigen!

Keine Zeit für Halt, zeitlos haltlos mit 180 km/h vorbei an blühenden Feldern, grünen Wäldern und grauen Mauern. Vorbei an Lichtern und Schildern. Wegweiser in die richtige Richtung. Die einzige Richtung.
Menschen und Gedrängel auf den Gleisen. Wer aussteigt hat verloren. Im Bruchteil einer Sekunde werden sie zu Schemen und in der nächsten wieder nur eine Erinnerung. Zurückgebliebene, Verdammte und Verfluchte. Aussteiger, Verlierer einer Gesellschaft, in der Geselligkeit ein Fremdwort ist.
In Schlangenlinien zum Erfolg.

Kein Rückwärts, kein Platz für Rückschritt.
Dicht aneinander gepresst, wie Schweine auf ihrer letzten Reise. Die Ersten bereits in völliger Erschöpfung zusammen- oder ineinander gesunken. Klammern und halten sich fest an jenen, die sich auf den Beinen halten können. Fallen tief, ziehen sich hoch. Stolpern, fallen und bleiben liegen.
Angst, Hass und Wut zeichnen ihre Gesichter. Vom Wahnsinn verzehrt, vom Schein geblendet.
 Fremd und Anders und doch setzt sie das Schicksal alle gleich. Zusammen einsam in diesem Höllengefährt von Zug, dass nicht einmal daran denkt das Tempo zu drosseln.
Wer fährt ihn? Wer bedient und lenkt? Wer steuert und denkt?
Jeder einzelne von ihnen im großen Ganzen. 
Jeder einzelne von ihnen, nicht allein sondern vereint.

Während sie sich immer noch fragen, wer sie führt, durch Sturm und Donner, rasen sie weiter drauf zu.
Ungebremst und ohne Umwege, schnurstracks hinzu auf Mauer und Wand.
Warum begreifen sie denn nicht?

Halt! Ich will aussteigen! Lasst mich aussteigen!