Mittwoch, 28. November 2012

here i am, speechless again.


Vor ein paar Tagen sprach mir ein Bekannter und Leser meines Blogs ein großes Kompliment aus. Er konnte sich mit fast Allem identifizieren, was ich in diversen Einträgen versucht hatte zu beschreiben. Er hatte das Gefühl, ich könne mit Worten ausdrücken was er tausende Male gefühlt und gedacht hatte. Versucht hatte in Worte zu fassen und doch gescheitert war. 
Es ehrte mich in einem völlig überwältigenden Maße. Ein gutes Gefühl. Nicht nur zu wissen, man ist mit seinem inneren Chaos nicht allein, sondern auch helfen zu können. Ein klitzeklein Wenig. Mit der reinen versuchten Formulierung des Unsagbaren. 

Heute ist einer jener Tage, an denen ich mir dieses Gespräch wieder in den Kopf rufe.
Heute ist einer jener Tage, an denen das große, schwarze Durcheinander weder ein noch aus weiß. 
Ich bin sprachlos.

Nervös läufst du auf und ab, sanft geschaukelt von Wellen der inneren Unruhe. Nichts ist wichtig, fest und stabil genug um dich aufzuhalten. Du weißt weder wo vorn, noch hinten, geschweige links und rechts ist. Konzentrieren scheitert kläglich. Den Kopf in den Wolken, das Herz schwer und träge tief unter der Erde. 
Du setzt dich hin, stehst wieder auf, legst dich hin, und wieder raus. 
In Worte fassen kannst du es nicht. Du versuchst es nicht einmal, denn jeder Versuch wäre bloß ein sarakastisches Scheitern. 
Sie reden auf dich ein, sagen, fragen und versagen. 
Du bist still. Auch wenn du wolltest, kein Ton würde dir entweichen. Du willst.
Laut aufschreien, den Scheiß hinausschreien.
Dein Herz heraus- und die Bilder von der Wand reißen.
Durchdrehen, weinen, wimmern, wieder aufstehen.
Keine Chance.
Du bleibst stumm.

Zuviel. Zuviele Gedanken, Zuviele Gefühle, Zuviele Worte. 
Du ertrinkst in der Welle von Erinnerungen. Sie ziehen dich hinab. Auf den dunklen Grund eines Meeres, deiner Selbst. Ein Meer wie es verschmutzter und schwärzer nicht sein könnte.
Das hier ist kein klares Karibikwasser, das hier ist der Antichrist unter den Meerwassern.
Strudel, Felsen, Wellen so hoch und stark, dass sie eine ganze Stadt unterspülen könnten.
Und du kannst nicht schwimmen. Nichtmal ein klein Wenig.

Du läufst immer noch. Den selben Weg mit denselben Schritten. 
Schreib es auf, halt es fest, brüll es raus.

...doch deine Stimme versagt. 


Dienstag, 20. November 2012

wolken am himmel


"[...]Ich weiß nur: Von Zeit zu Zeit erhebt sich in meiner Seele ohne äußere Ursachen die dunkle Welle. Es läuft ein Schatten über die Welt, wie ein Wolkenschatten. Die Freude klingt unecht, die Musik schal. Schwermut herrscht, Sterben ist besser als Leben. Wie ein Anfall kommt diese Melancholie von Zeit zu Zeit, ich weiß nicht in welchen Abständen, und überzieht meinen Himmel langsam mit Gewölk. Es beginnt mit Unruhe im Herzen, mit Vorgefühl von Angst, wahrscheinlich mit nächtlichen Träumen. Menschen, Häuser, Farben, Töne, die mir sonst gefielen, werden zweifelhaft und wirken falsch. Musik macht Kopfweh. Alle Briefe wirken verstimmend und enthalten versteckte Spitzen. In diesen Stunden zum Gespräch mit Menschen gezwungen zu sein ist eine Qual und führt unvermeidlich zu Szenen. Diese Stunden sind es, wegen deren man keine Schießwaffen besitzt; sie sind es, in denen man sie vermisst. Zorn, Leid und Anklage richten sich gegen alles, gegen Menschen, gegen Tiere, gegen die Witterung, gegen Gott, gegen das Papier des Buches, in den man liest, und gegen den Stoff des Kleides, das man anhat. Aber Zorn, Ungeduld, Anklage und Hass gelten nicht den Dingen, sie kehren von ihnen allen zurück zu mir selbst. Ich bin es, der Hass verdient. Ich bin es, der Missklang und Hässlichkeit in die Welt bringt.[...]"

Aus: Hermann Hesse - Das Leben bestehen
Krisis und Wandlung
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Egal wie schnell und egal wohin du fliehst. Es gibt keinen Ort, der sicher genug wäre, dich vor jenen Gedanken zu schützen, die du nicht denken willst. Kein Ort, der weit genug entfernt wäre von den Dämonen, die in dir schlummern. Weder die Arme deiner Liebe, noch das Gespräch mit einem guten Freund. Weder die warme Hand deiner Mutter, noch die dunkelste Ecke dieser Stadt kann dich vor dem bewahren, was dich regelmäßig heimsucht.

Egal wie häufig du konsumierst, kollabierst, rehabilitierst. Sie tricksen dich aus, machen dir vor, es sei überstanden. Verschwinden für Tage, Wochen, Monate, tarnen sich. Gekonnt, halbwegs geschickt, Vorhänge zu.
Bis die Bühne deiner Gedanken wieder ihnen gehört. Ihnen und ihren sadistischen Spielchen. Ihrer Zerstörungswut, ihrem Hunger nach dir und allem Guten. 
Spiel ohne Regeln, kein vorzeitiger Kampfabbruch. Solange bis es in Round 3 heißt: Knock Out. Hin und wieder gelingt es dir, das Unvermeidliche hinauszuzögern. Den Spieß umzudrehen, mit nicht halbwegs gleicher Intensität, mehr verzweifelt als vernichtend.

Egal wieviele illegale Waffen in der Schublade neben deinem Bett lagern. Im Badezimmerschrank oder unter dem Sofa. Du kannst sie nicht töten. Nicht quälen, so wie sie dich quälen. Nichtmal fesseln kannst du sie, denn dein Strick baumelt um deinen Hals. Und die Schlinge zieht sich weiter zu. Fast wie von allein, Macht der Gewohnheit.

Aufgeben wird nicht gern gesehen. Verurteilt, als "feige" abgestempelt. Wahre Helden geben nie auf, kämpfen weiter, bis zum bitteren Ende. Bitter ist in diesem Fall dezent untertrieben. Scheiß aufs Held-Sein, scheiß auf das Lob, den Ruhm. Manchmal ist es besser, den Wichsern, die dich quälen entgegen zu treten. Mit bloßen, leeren Händen und erhobenem Haupt. Nicht auf Gnade hoffen, lernen sie zu besiegen. Das Leid leiden, den Zorn leben und die Tränen weinen. Hundertausend Male. Und jedes Mal wird´s besser.

Und wenn nicht, dann nächstes Mal.

Montag, 19. November 2012

do you?


"Kennst du das auch, dass manchesmal
Inmitten einer lauten Lust,
Bei einem Fest, in einem frohen Saal,
Du plötzlich schweigen und hinweggehn musst?
Dann legst du dich auf´s Lager ohne Schlaf
Wie einer, den ein plötzlich Herzweh traf;
Lust und Gelächter ist verstiebt im Rauch,
Du weinst, weinst ohne Halt - Kennst du das auch?"

Hermann Hesse

Mittwoch, 14. November 2012

good morning.


"my tea´s gone cold and i´m wondering why i
got out of bed at all,
the morning rain clouds up my window
and i can´t see at all.
and even if i could it´ll all be grey."

[Eminem feat. Dido - Stan]

...Und heute ist einer jener Tage, an denen du es nichtmal schaffst aus dem Bett zu steigen. Die Kaffeemaschine zu betätigen und in der Zwischenzeit zu duschen. Den Fernseher anzuschalten nur der vertrauten Hintergrundgeräusche wegen. Die Illusion menschlicher Nähe und Gesellschaft zu erzeugen. 
Und das alles machst du nicht, nicht weil du verschläfst. Nicht weil du letzte Nacht zu lang auf warst. 
Du stehst nicht auf, weil du nicht kannst. Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass sie nicht nur aus Pflichtbewusstsein und Disziplin regelmäßig um 7 Uhr aufstehen. Nein, was sie außerdem antreibt ist eine gewisse Grundmotivation, ein rätselhafter, hoffnungsvoller Enthusiasmus, der sie aus ihren warmen Betten treibt. Ein kurzer, starker Impuls, der ihnen sagt: Beginne den Tag, er wird dir Gutes bringen. 

Heute Morgen wartest du vergeblich auf diese Stimme. Ein Blick aus dem Fenster genügt, um das Gefühl in dir zu bestätigen. Graue Nebelschleier hängen über der Stadt. Da wo sonst die Spitzen der Wolkenkratzer majestätisch in den Himmel ragen, hat dieser sich mit ihnen vereint. Ein düster gräulich-schwarzes Nichts, so weit das Auge reicht.
 Die da draußen stehen jeden Tag zur selben Zeit auf und gehen jeden Tag denselben Weg zur selben Arbeit. Sehen jeden Tag dieselben Menschen, mit denen sie sich jeden Tag über dasselbe unterhalten. Es scheint so leicht, warum versagst du?

Regelmäßig an diesem Morgen schreit dich dein Wecker an. Erinnert und ermahnt dich. Er duldet keine Nachlässigkeit, duldet kein Fehlen und duldet keine Fehler. 
Aus damit, raus damit.

Es ist einer jener Mittwochmorgen, die dich mit aller Macht auf die Knie zwängen. An denen innere und äußere Welt zu einem fürchterlichen Ganzen werden. An denen die Welt, diejenige ist, die dich mit Verachtung straft, und dich darin bestärkt den realitätsverachtenden Weg, den du eingeschlagen hast, weiter zu gehen. Ein Mittwochmorgen, der dich für nichts auf diesem Planeten begeistern kann. Nicht einmal für dich selbst.

Es ist einer jener Tage, die du im Bett verbringst. Unter deiner Thermobettdecke, die ihren Zweck nicht erfüllt.


Dienstag, 13. November 2012

those nights.


"Aus einem argen Traum aufgewacht
Sitz ich im Bett und starre in die Nacht.

Mir graut vor meiner eignen Seele tief,
Die solche Bilder aus dem Dunkel rief.

Die Sünden, die ich da im Traum getan,
Sind sie mein eigen Werk? Sind sie nur Wahn?

Ach, was der schlimme Traum mir offenbart,
Ist bitter wahr, ist meine eigne Art.

Aus einem unbestochenen Richters Mund
Ward mir ein Flecken meines Wesens kund.

Zum Fenster atmet kühl die Nacht herein
Und schimmert nebelhaft im grauen Schein.

o süßer, lichter Tag, komm du heran
Und heile, was die Nacht mir angetan!

Durchleuchte mich mit deiner Sonne, Tag,
Dass wieder ich vor dir bestehen mag!

Und mache mich, ob´s auch in Schmerzen sei,
Vom Grauen dieser bösen Stunde frei!"

[Hermann Hesse -  Traum]


Nacht um Nacht liegst du wach. Wirfst dich hin und her. Drehst dich um dich selbst. Wie die Gedankenschraube, die sich quälend in deinen Kopf bohrt. Keine Position ist die Richtige, keine entspannt deine müden Knochen. Dein Körper schreit nach Schlaf, Schlaf den er so dringend braucht.
Müden Auges starrst du an die Decke über dir. Starrst ins Leere, fokussierst das Nichts.
Ein Nichts, von der selben Natur, wie jenes in deinem Kopf.
Schwarz, undurchdring- und unentrinnbar.

Nacht um Nacht dieselbe, quälende Stille. Jenes tonlose Pochen, welches sich stufenweise zu einem dröhnenden Orkan entwickelt. Verzweifelt lauschst du jedem Geräusch von Leben. Frauen, deren hohe Schuhe auf dem Apshalt erklingen, eilenden Schrittes, gerade noch da und dann wieder nur noch ein Echo. Der aufheulende Motor eines vorbeifahrenden Autos. Seine Scheinwerfer und das Licht, dass sie in dein dunkles Zimmer werfen. Es macht einen Bogen um dich, bis es samt Auto wieder von der Nacht verschluckt wird. Du bleibst da.

Nacht um Nacht dieselben Bilder. Fetzen deiner Vergangenheit. All die Fehler und all die Tränen. All das Glück und all die Liebe. Fremde, Freunde, Liebende, Getrennte, Bekannte und schließlich wieder Fremde. Zyklus des Lebens. Zyklus der Vergänglichkeit. 
Niemals hast du das gewollt, niemals hättest du es soweit kommen lassen.
Niemals wolltest du so enden und niemals die gleichen Fehler machen.
Niemals ist Heute und Niemals wird auch morgen noch sein.

Nacht um Nacht dieselben Fragen. Wer weiß die Antwort? Wenn es sie gibt, wo finde ich sie? 
War es richtig oder falsch und wer bestimmt was richtig ist und was falsch? Warum ich und warum nicht du? 
Zweifel an den Dingen die bei Tageslicht vor Wahrheit glänzen und Zweifel an Dingen, die ohne Zweifel richtig sind. Oder nicht?

Stunde um Stunde vergeht. Minute um Minute. Du zählst die Sekunden.
Bis endlich die Sonne aufgeht und Licht bringt. Licht in dein dunkles Zimmer. Licht in deine dunkle Gedanken. Licht in dein müdes Herz.

Jede Nacht, sei sie noch so lang und quälend, seist du noch so kaputt und am Ende, jede Nacht geht mal zu Ende. Du bist sicher, der Tag hat die Dämonen vertrieben. 
Auch wenn sie sich nur verstecken.

Samstag, 10. November 2012

we´re all mad here.


"We´re all mad here." sagt die Katze zu Alice. 

Mit den Händen in den Taschen schlenderst du durch die Massen. Den Blick gesenkt, die Sinne stumpf und taub. Hin und wieder erreichen dich Gesprächsfetzen, ein Lachen hier, Kindergeschrei da. Die ganz normale Geräuschkulisse des alltäglichen Wahnsinns. Vorbei an schreienden Müttern und weinenden Kindern, wild-gestikulierenden Taxifahrern und mittellosen Bettlern. Obdachlos und gezeichnet.

 Keine Zeit für Mitleid.

Bloß kein Blickontakt, schnell dran vorbei.
"Kannst du nicht aufpassen?!" Sie drängeln und schieben sich an dir vorbei. Immer Tempo, weiter weiter.

 Keine Zeit für Stillstand,
 Keine Zeit zum Zögern.

Du hebst den Kopf und schaust dich um. Suchst nach Vertrautem, nach glitzernden Augen und warmem Lachen. Du stolperst.
Innerlich.
Raff dich auf und träum weiter. 
Kapuze auf, Schleier vor die Augen. Mit getrübtem Blick lässts sich leichter laufen.
Wisch sie weg, die Gedanken.

Keine Zeit zum Zweifeln.

Schnellen Schrittes kämpfst du dir deinen Weg durch gut getarnte Mörder, Diebe und Psychopathen. Menschenfresser, Menschenhasser, aus ausdruckslosen Augen starren sie dich an.
Im goldenen Käfig, eingerahmt von grauen Wolkenkratzern.
 Spielplatz des Wahnsinns, Schlachtfeld der Seelen.
Ohne Regeln, ohne Rücksicht.
Doch am Ende, am Ende verliert jeder.


              
                                                                                                            

Freitag, 9. November 2012

welcome.


Schön, dass ihr den Weg hierher gefunden habt. 
Schön, dass ihr überhaupt einen Weg gefunden habt.
Habt ihr das?
Oder hängt ihr immer noch in der Schwebe?
Irgendwo zwischen Himalya und Fegefeuer?
Zwischen Nimmerland und irgendeiner x-beliebigen futuristischen Dystopie?
Zwischen Gestern und Heute? Weit weg von morgen?
Nordöstlich vom Wunderland und Hogwarts?
13274128461 km von Zuhause.
Irgendwo im Nirgendwo und Nirgendwo wirklich.

...dann seid ihr hiermit herzlich willkommen.

Ich schreibe über die Realität und Paralleluniversen. über Grenzübergänge und verlorene Kindheit. Über Alltagsdämonen, Gefühlskotze und den Morgen danach. Über winzig kleine Nichtigkeiten. Über Menschen und Wahnsinn. Über Vergänglichkeit und dass nichts bleibt. Über Zuhause und dass es keins gibt. Über das Suchen und nichts finden. Ich schreibe über das Denken, dass Gedanken krank macht. 

Immer an meiner Seite: Hermann Hesse und ein Glas Rotwein.

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